Deutscher Arnis Verband e.V.

Hebeltechniken - Beyond Technique

Erstellt am

Lehrgang und Trainerfortbildung "Hebeltechniken - Beyond Technique"

Philipp Wolf, 5. Dan Modern Arnis, referierte am 17.02.18 in Lübeck den Lehrgang und Trainerfortbildung „Hebeltechniken - Beyond Technique“.

Philipps "Beyond Technique"-Seminare unterscheiden sich von vielen anderen Lehrgängen durch eine Verknüpfung von theoretischen mit praktischen Inhalten und versuchen aus wissenschaftlicher Sicht zu beleuchten, "warum" bestimmte Techniken funktionieren - und nicht nur "wie" diese auszuführen sind - ähnlich wie dies z.B. auch bei der Trainerausbildung des DAV durchgeführt wird.

Als Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin (scherzhafter Spruch von Philipp: „Ich wurde Arzt, damit ich ein besserer Kampfsportler werde!“) konnte er die 111 Teilnehmer über mehrere sehr kurzweilige Theoriestunden in seinen Bann ziehen. Er gab Einblicke in die anatomischen, physiologischen, biomechanischen und neurologischen Grundlagen einschließlich der zugrundeliegenden physikalischen Gesetze, den genauen Aufbau, die Schmerzentstehung und die Verletzungsmuster jedes nennenswerten Gelenkes, an welchem Arnisadore auf die Idee kommen könnten zu hebeln.

Warum tut es mit gebeugten Fingern so fies weh und mit geraden Fingern nicht so sehr? Warum ist die Beugung des Armes auch bei Hebeln an der Schulter bedeutsam? Warum tun manche Hebel fast gar nicht weh, obwohl das Gelenk schon beinahe zerstört ist? Philipp hatte sein Skelett Stan mitgebracht und konnte an ihm alles sehr anschaulich verdeutlichen.

In der Praxis probierten die Teilnehmer das dann nicht nur alles aus, sondern bekamen von Philipp gleichsam noch eine Checkliste aller anderen für erfolgreiche Hebeltechniken notwendigen Faktoren mit auf den Weg: Was will ich mit dem Hebel erreichen (Aufgabe, Manipulation, Zerstörung), wie funktioniert die Kontaktaufnahme (Griffsicherheit und Optimierung), wie muss die Positionierung zum Gegner sein, sind Aufmerksamkeit und/oder Gleichgewicht gestört, kommen die physikalischen Prinzipien optimal zur Anwendung (Hebelarm, Drehpunkt, Gewichtsverteilung, ...), stimmt die Gelenkstellung?

Trainiert wurde sowohl ohne als auch mit dem Stock. Um die Funktion und den Aufbau der Gelenke an Armen und Beinen besser "begreifen" und ertasten zu können, wurden für das Praxistraining kurze Kleidungsstücke (T-Shirt und Shorts) empfohlen.

Die von Philipp vorgestellte sinnvolle Trainingsprogression beginnt mit dem Technikerwerbstraining, also damit, die Techniken einzeln zu üben und dann in Kombinationen und Drills einzubauen. Im nächsten Schritt kommen dann Verkettungen sowie Konter- und Gegenkontertechniken dazu. Durch Formen wie Chaostraining, Szenariotraining oder Erschwerung der Umgebungsbedingungen kommt der Faktor Stress hinzu, der gerade bei komplizierten Abläufen wie Hebeltechniken entscheidenden Einfluss nehmen kann. Freie Zweikampfübungen bringt dann zusätzlich noch den widerwilligen Gegner ins Spiel.

Die begeisterten Rückmeldungen haben Philipp genötigt zu versprechen, die Fortbildungsserie "Beyond Technique" im nächsten Jahr weiterzuführen.

+13


Text: Jens Dykow, Julia Wolf
Bilder: Philipp Wolf

« Zurück  Beitrag 10 von 129  Weiter »