The Best of the West (BotW) Camp
28. bis 30. September 2012,
Dortmund, Germany

Das Camp war wahrscheinlich das größte Modern Arnis Event, das je abgehalten wurde. Aber fangen wir von vorne an:

Der Anfang

Alles fing im Jahr 2009 damit an, dass GM Datu Kelly Worden persönliche Größe zeigte, als er bei einigen führenden Modern Arnis Vertretern in den USA wie GM Datu Tim Hartman, GM Dan Anderson und GM Bram Frank angerufen hat und langjährige Auseinandersetzungen, die es  zwischen ihnen gab, beendete.
Sofort als ich diese Nachricht von Dan Anderson bekommen hatte, schlug ich ihm vor, ob wir nicht ein Camp mit den führenden Modern Arnis Meistern in den USA organisieren sollten und er war von der Idee gleich begeistert.


Tim Hartman hatte die gleiche Idee zur gleichen Zeit und da er ein guter Veranstalter und Ausrichter ist und wir noch einen gesucht hatten, entschieden Dan und ich, dass wir das mit Tim zusammen machen und Tim das Event organisiert. Es machte keinen Sinn 2 Events mit ähnlichen Trainern und der gleichen Zielgruppe zu machen, die sich gegenseitig nur die Teilnehmer/innen wegnehmen würden.

So entstand das “healing camp” 2011 in Buffalo, was Tim dann ausrichtete.
Obwohl es viele Leute gab, die dieses Camp schon scheitern sahen und dies auch im Internet schrieben, wurde es ein großer Erfolg. Nicht so sehr von den Teilnehmer Zahlen (etwa 70) sondern in der Form und Stimmung, in der das Camp ablief. Alle Lehrer behandelten sich nicht nur respektvoll, sondern freundschaftlich, was von den Teilnehmern/innen auch gemerkt wurde und sich auch auf sie während des ganzen Camps übertrug.
Unglücklicherweise konnte Kelly Worden wegen eines Motorradunfalls, der ihm große körperliche Probleme bescherte, nicht an dem Camp teilnehmen. Er schickte aber einen Brief der klar machte, das dieser Unfall der EINZIGE Grund war, dass er nicht kommen konnte. Dies war sehr wichtig, denn mit diesem Brief zeigte er seine Unterstützung für das „healing camp“. Schon dort in Buffalo hatte ich die Idee, dass ich dieses Camp nach Deutschland holen würde und ich fragte auch schon die Instruktoren, ob sie dafür nach Deutschland kommen würden.
Alle auf dem Buffalo Camp hätten auch auf dem BotW Camp unterrichten können, aber ich konnte nicht alle einladen. Die Entscheidung war nicht gegen irgendeinen, sondern für einige Instruktoren gerichtet. Ich entschied mich also für die, die in Deutschland bekannt waren, denn ich wollte, dass das BotW Camp viele Teilnehmer/innen haben sollte, was am besten funktioniert, wenn man Trainer hat, die in der Modern Arnis Szene bekannt sind. Also habe ich entschieden, GM Datu Kelly Worden, GM Dan Anderson, GM Datu Tim Hartman, Mott Chuck Gauss und Mott Brian Zawilinski einzuladen, die zusammen mit mir auf dem Camp unterrichten sollten. Auch andere Lehrer hätten auf dem BotW Camp unterrichten können, aber der DAV und ich konnten nicht alle einladen.
Der Name Modern Arnis, “Best of the West Camp” war sehr wichtig, da ich meine Großmeister, Lehrer und Freunde aus den Philippinen nicht durch ein “Best of Modern Arnis” Camp ausklammern wollte.

Die Vorbereitung

Dann fing die Arbeit an.
Die Vorbereitung, die Flyer, Webseiten Inhalte, Fotos, T-Shirts, Sweater, das Essen, die Halle die Werbung,  etc


Glücklicherweise ist der DAV ein sehr gut organisierter Verband, denn alle DAV Trainer/innen halfen mit, das BotW Camp bekannt zu machen und dafür zu werben,  so dass wirklich viele Leute kommen würden.   Unglücklicherweise waren die Verletzungen und Folgeschäden von GM Datu Kelly Worden so schwerwiegend, dass er auch diesmal wieder nicht kommen und auf dem Event unterrichten konnte.
Wieder schrieb er einen Brief an die Teilnehmer/innen, in dem er die Situation erklärte und seine Unterstützung für das Camp ausdrückte.   Für mich war es wichtig, dass ich nicht nur die deutschen DAV Mitglieder für dieses Camp begeistere, sondern dass auch Modern Arnis Begeisterte aus anderen Ländern und nicht nur aus Europa zum BotW Camp kommen sollten. Und es hat funktioniert.
Leider konnten unsere Modern Arnis Freunde aus Ungarn und der Ukraine nicht kommen, aber sonst kamen Teilnehmer/innen aus den meisten Ländern, die mit dem DV verbunden sind und auch Tim Hartman konnte Teilnehmer/innen aus seiner Gruppe in Polen zur Teilnahme motivieren. So kamen letztendlich über 200 Teilnehmer/innen aus den folgenden 13 Ländern, um am BotW Camp teilnehmen zu können:
Dänemark, Niederlande, Frankreich, Liechtenstein, Österreich, Tschechische Republik, Polen, Russland, Israel, Hong Kong und sogar aus den USA und Kanada sind Teilnehmer/innen angereist. Neben den deutschen Teilnehmer/innen natürlich.  

Der Tag vor dem Camp


Ich hatte Glück, dass alle Instruktoren am Donnerstag vor dem Camp zwischen 8 und 9 Uhr morgens in Düsseldorf ankamen. So brauchte ich diese Fahrt nur einmal machen. Da ich recht viel Erfahrung im interkontinentalen Reisen habe weiß ich, das es wichtig ist, sich sofort an den Zeitrhythmus anzupassen um keinen oder zumindest weniger Jetlag durch die Zeitverschiebung zu bekommen.
Also durfte ich meine Gäste am Tag nicht lange schlafen lassen. Wir sind von Düsseldorf nach Köln gefahren, wo wir uns den Dom samt Schatzkammer angeschaut haben, was auch schon beeindruckend ist, wenn man es schon kennt. Für die amerikanischen Gäste war dies eine überwältigende Erfahrung. Nach einem Mittagessen an den Rheinterrassen sind wir zu Schloss Burg bei Wermelskirchen weitergefahren, wo wir diese mittelalterliche Burg aus dem 12. Jahrhundert mit alten Waffen besichtigten. Auch dies fanden alle sehr interessant. Dann fuhren wir nach Dortmund, wo ich alle im Hilton in ihre Zimmer entließ. Aber nur für 2 Stunden, denn dann habe ich sie wieder abgeholt und wir haben im drehenden Restaurant des Dortmunder Fernsehturms Florian zu Abend gegessen, mit einem schönen Ausblick auf das nächtliche Dortmund von oben.

Dort konnte ich ihnen auch die Hallen der TSC-Eintracht zeigen, in denen das BotW Camp in den nächsten 3 Tagen stattfinden sollte. Soweit ich weiß, haben dann alle in der Nacht zum Freitag sehr gut geschlafen.

Die Dan-Prüfung

Der Freitag begann mit der Dan-Prüfung für 33 Prüflinge. 12  zum 1. Dan, 9 zum 2. Dan, 6 zum 3. Dan, 4 zum 4. Dan und 2 zum 5. Dan.

In einer anstrengenden dreistündigen Prüfung bestanden alle bis auf einen Teilnehmer, der durch mehrere Verletzungen in der Vorbereitung aber auch stark gehandicapt war. Respekt dafür, dass er es trotzdem versuchte. Am Nachmittag, bevor das Camp begann, wurden die Urkunden und die Gürtel verliehen, was eine sehr lustige Veranstaltung wurde, auch durch das nette Mitwirken von Tim, Dan, Brian und Chuck. Dann gab es noch eine besondere Überraschung für den ahnungslosen Carsten Hemmersbach, der den 6. Dan, Lakan Anim und die Ernennung zum „Meister des Modern Arnis“ vom DAV und der IMAF-Philippines verliehen bekommen hat. Einen herzlichen Glückwunsch noch einmal dazu von dieser Stelle.
Das Camp

Dann began das Training. Am Freitag waren schon etwa 170 Teilnehmer/innen da und wir hatten die große Halle noch nicht. Es war schon voll. Ich habe das Training so organisiert, dass immer 2 Lehrer unterrichtet haben und zwar einmal die Gruppe der Farbgurte und einmal die Dan-Träger/innen.
An diesem Wochenende waren beide Gruppen etwa 100 Personen groß, so dass das sehr gut gepasst hat. Insgesamt hatten die Farbgurte 11, die Danträger/innen 14 Trainingseinheiten. Während des ganzen Camps war die Trainingsatmosphäre konzentriert, freundlich, helfend und unterstützend, also durch und durch positiv.
Alle waren neugierig und motiviert zu sehen, was die Lehrer wohl zeigen würden.

                          

Und es war eine sehr breite Palette des Modern Arnis die dort präsentiert wurde: Einzelstock, Doppelstock, 2 gegen 1 Stock, Messer, Messer gegen Messer, Doppelmesser, waffenlose Verteidigung, taktisches Verhalten, Selbstverteidigung und vieles mehr wurde in einer sehr professionellen und inspirierenden Art und  Weise unterrichtet.

                             

GM Dan Anderson wie man ihn kennt: Mit einer großen Stimme viel waffenlose Techniken unterrichtend, ging er sehr ins Detail in dem Timing und Präzision essenziell sind.

GM Datu Tim Hartman zeigte waffenlose Techniken ebenso wie Messer und  Doppelmesser sowie den Zusammenhang zwischen Modern Arnis und dem Balintawak. Er ist ein Showman und demonstrierte seine ausgezeichnete Körpermechanik.

MoTT Brian Zawilinski unterrichtete die Verbindung vom Stock zu waffenlosen Techniken  und auch Tapi-Tapi sowie Selbstverteidigung. Er unterrichtet sehr ruhig aber stille Wasser sind tief. Alles sehr funktional und effektiv.

MoTT Chuck Gauss unterrichtete Tapi-Tapi, Einzel- und Doppelstock (sein Steckenpfed) sowie waffenlose Selbstverteidigung und Hebel. Er kommt richtig in Fahrt wenn er Spaß hat und er HATTE Spaß. Beeindruckend, wie sich ein so großer Mann so schnell und präzise bewegen kann.
                             


Ich, GM Datu Dieter Knüttel habe einige Schlüsselbewegungen im Bereich der Messer-Entwaffnungen unterrichtet sowie Selbstverteidigung mit wenig körperlicher Kraft, Tapi-Tapi und Stockentwaffnungen mit Takedowns.

Alle Teilnehmer/innen schienen sehr zufrieden mit den Unterricht, mit dem was und wie es von den Referenten präsentiert wurde.
Die Lehrer waren alle sehr zugänglich und haben alle Fragen freundlich und geduldig beantwortet.

Während des Camps haben wir eine Spendensammlung für Kelly Worden gestartet, der von der Versicherung zur Deckung seiner Arztrechnungen noch keinen Cent bekommen hatte. (Dummerweise ist er und der Unfallgegner in der gleichen Versicherung) Die Lehrer haben einen großen Betrag gespendet und die Teilnehmer/innen füllten diesen Betrag auf 900 € auf.
Dies ist ein außergewöhnliches Zeichen der Solidarität und Anteilnahme der Modern Arnis Gemeinschaft.
Danke noch mal an alle, die gespendet haben... Am Samstag Nachmittag demonstrierten alle Referenten in einer kleinen Vorführung mit Erklärungen, wie sie Modern Arnis verstehen und was ihr Ansatz ist.


                   


Der Samstag Abend

Nach dem Abendessen am Samstag wurden einige Reden gehalten und ein paar Personen geehrt. Neben Michael Nordhoff und Andreas Brockbals, die das Dortmunder Orga-Team leiteten und einen hervorragenden Job gemacht haben, wurde auch Sven Barchfeld als 1. Vorsitzender des DAV für seinen unermüdlichen Einsatz zur Verbreitung des Modern Arnis in Deutschland und Europa geehrt. Alle Referenten erhielten  unterschriebene Poster und eine Weltkarte, auf der die Städte, aus denen die BotW Teilnehmer/innen kamen, markiert waren. Alle Teilnehmer/innen haben auf diesen Weltkarten unterschrieben. Dan Anderson und Brian Zawlilinski wurden von der IMAFP (International Modern Arnis Federation - Philippnes) mit einem speziellen Close-Node Stock als Pioniere des Modern Arnis in den USA, die schon einmal auf den Philippinen auf einem IMAFP-Event (3. FMA Festival 2006) unterrichtet haben, geehrt. Ich erhielt auch einen solchen Stock von der IMAFP als der einzige Modern Arnis Großmeister in Europa und für die Verbreitung des Modern Arnis in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Aus den USA erhielt ich die Urkunde, mit der ich in die Modern Arnis Hall of Fame aufgenommen worden bin.


Dies ist im Jahre 2001 noch direkt von GM Remy Presas verfügt worden und wurde nun durch Michael Bates im Juni 2012  den USA ausgeführt.
Ich konnte bei diesem Event in den USA nicht anwesend sein und daher haben GM Dan Anderson und GM Datu Tim Hartman, die dort waren, mir diese Ehrung von dort mitgebracht und nun hier in Dortmund überreicht.
Vielen Dank dafür. Danach wurden noch viele lustige Geschichten über GM Remy Presas erzählt und alle hatten noch einen netten Abend.


Der letzte Tag

Der Sonntag verging schnell mit viel Unterricht und am Ende sah man in viele müde aber zufriedene Gesichter, die der letzten Überraschung für die Referenten beiwohnten. Es war ein 1 Meter großes Gruppenbild, das einen Tag zuvor aufgenommen worden ist. Ein langer, donnernder Applaus am Ende zeigte deutlich, wie zufrieden alle mit dem Camp waren.

   


Man war sich einig: Der Name „Best of the West“ war richtig für das Camp. Nach dem Camp waren wir noch zusammen mit den Instruktoren zum Abendessen bei einem Italiener.
Bis auf Brian und Maria Zawiliniski reisten alle Lehrer schon am Montag Morgen wieder in die Staaten zurück.
Diese beiden blieben noch 2 Tage und wir haben zusammen die Burg Altena, das Gasometer und die neue Mitte in Oberhausen besucht, bevor auch sie am Mittwoch wieder zurückgeflogen sind. Ich möchte noch erwähnen, dass die Unterrichtseinheiten des Best of the West Camps auf Video aufgezeichnet wurden.
Es wird eine DVD pro Referent plus die Demonstrationen herauskommen,
Die DVDs können vorraussichtlich ab Ende November über www.abanico.de und über die Referenten direkt bestellt werden.
 
Das Fazit

Zusammenfassend kann ich als Organisator sagen, dass es besser nicht hätte laufen können. Die Teilnehmer/innen und die Referenten waren sehr zufrieden, wie alles abgelaufen ist. Die Energie und Kameradschaft an diesem Wochenende war extrem hoch und es war sehr schön dies zu beobachten und daran Teil zu haben. Als Referent kann ich sagen, dass es immer sehr viel Spaß macht, große Gruppen zu unterrichten, und dass es ein Privileg ist, dass ich manchmal die Möglichkeit dazu habe. Als jemand, der versucht das Modern Arnis auch weltweit im Blick zu haben, fand ich das Camp extrem motivierend. Es zeigte, wie gut wir Lehrer miteinander ausgekommen sind und die Probleme in der Vergangenheit gelassen haben. Wenn wir diese Energie und den “Geist” des BotW Camps aufrecht erhalten können habe ich keinen Zweifel, dass das Modern Arnis weltweit eine große Zukunft hat.

Ich werde daran arbeiten und ich weiß, die anderen Referenten auch. Als Abschluss noch ein Satz, den mir alle Referenten unabhängig voneinander gesagt habe: GM Remy wäre sehr stolz gewesen.

Das hoffe ich.

GM Datu Dieter Knüttel




Nachtrag: Ich habe 4 kurze Interviews, die ich geführt habe, veröffentlicht. Sie sind hier zu finden (englisch):
  • Dan Anderson: http://www.youtube.com/watch?v=bID5upPpALM
  • Tim Hartmann: http://www.youtube.com/watch?v=Dc5pUl5QICI
  • Brian Zawilinski: http://www.youtube.com/watch?v=X1bUbuPZOkA
  • Chuck Gauss: http://www.youtube.com/watch?v=WF1PTLp-eI0


  • (C) Text: GM Datu Dieter Knüttel, 11/2012
    (C) Fotos: Sven Barchfeld, 09/2012

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